Aus der Festschrift zum 100jährigen Bestehen der Pfarrei Penzberg (1999): 

Die Pfarrei in der Nazizeit

Im Oktober 1937 kam Erich Beneke als Kaplan nach Penzberg. Binnen kurzer Zeit wurde die Pfarrjugend zu einer lebendigen Gemeinschaft geformt, die sich während der Kriegszeit besonders bewährte.

Ein Jugendbekenntnistag am Dreifaltigkeitssonntag 1939 wurde zu einem großen Erfolg, obwohl die Nationalsozialisten und die Hitlerjugend mit allen Mitteln dagegen ankämpften.

In der Jachenau fanden geheime Treffen der katholischen Jugend statt. Ein Verhör durch die Gestapo folgte sofort im Anschluss an eine solche Zusammenkunft.

Als Kaplan Beneke noch im Krieg war, wurde schließlich Anzeige gegen ihn erstattet wegen Vergehens gegen das Heimtückegesetz. Begründung: Er habe eine Flugschrift mit staatsfeindlichem Inhalt versandt.

Aus dem Protokoll eines Verhörs: Gestapomann: "Und der Beneke?" Antwort: "Der ist noch im Krieg." Gestapomann: "Gut, den kaufen wir uns nach dem Krieg."

Ein anderer geborener Penzberger' Kaplan Rudolf Bernhard, verhalf 1938 einem jüdischen Kaufmann zur Flucht in die Schweiz, versorgte ihn mit Lebensmitteln und Geld, ständig unter der Gefahr, als Devisenschieber angeklagt zu werden. In dieser schlimmen Zeit wuchs die ökumenische Verbundenheit unter den Konfessionen, gerade auch durch den evangelischen Vikar Karl Steinbauer, der mutig gegen die nationalsozialistischen Machthaber auftrat.

9.jpg (20264 Byte)Illegales Treffen in der Nazi-Zeit: Alle kirchlichen Verbände waren seit 30.01.1938 vom NS-Regime verboten. Um sich treffen zu können, ohne verhaftet zu werden, durften die Zusammenkünfte nicht auffallen. Die Jugendlichen ließen sich so leicht nicht unterkriegen und die Verantwortlichen der ehemaligen Pfarrei St. Barbara, auch wenn manch unerlaubte Zusammenkunft unangenehme Folgen hatte. Im Bild links eines der "illegalen" Treffen an der 10000jährigen Linde in Holzhausen am Ostufer des Starnberger Sees, 1941/42. Wegen der Zahlensymbolik entbehrt dieses verbotene Treffen nicht einer gewissen Pikanterie: Während des so genannten "1000jährigen Reiches" der Nazis, das letztlich nicht einmal zwei Jahrzehnte überstand, fand dieses Treffen unter der 1000jährigen Linde statt.

Nach der Zerstörung der Barbarakirche musste der Neubau durch Spenden finanziert werden. Erwachsene und Jugendliche fuhren mit der Bahn oder mit dem Fahrrad weit herum, um Spenden zu sammeln. Einige nahmen sich sogar dafür Urlaub.

Kaplan Beneke während des 2. Weltkriegs in französischer Gefangenschaft als Sanitäter: In der Heimat warteten einige Nazis, die sich von ihm brüskiert fühlten ("Den kaufen wir uns nach dem Krieg!").Kaplan Beneke

 

 

 

 

 

 

 

Das alte KinderheimIn diesem Haus neben der heutigen Christkönigskirche war das Kinderheim untergebracht, bis 1969 das Jugendhaus Don Bosco in Steigenberg errichtet wurde.

 

 

 

 

 

Eine der bittersten Stunden der Pfarrei

Die bitterste Stunde für die Pfarrei Penzberg war wohl am 16. November 1944. Bei einem Bombenangriff wurde der grüßte Teil der Barbarakirche an der Bahnhofstraße zerstört. Lediglich der Altarraum blieb erhalten. Kurz danach errichteten die Pfarreimitglieder eine Notkirche.

In der Folgezeit wurde ein Kirchenbauverein gegründet. Es war eine großartige Leistung der Pfarreimitglieder, in dieser schwierigen Nachkriegszeit, in den Jahren 1949 bis 1951, den Neubau der Kirche zu ermöglichen. Eine ältere Frau sagte vor kurzem: "In diese Kirche ist ein Teil meines Lebens miteingemauert."barbarakirche.JPG (37275 Byte)

Am 7. Oktober 1951 konnte der damalige Bischof von Augsburg, Dr. Joseph Freundorfer, die Weihe der neuen Christkönigskirche vollziehen. Sie war eine der ersten Kirchenneubauten in der Diözese Augsburg nach dem 2.Weltkrieg.

 

Statt "Barbarakirche" jetzt "Christkönigskirche"

Die hl. Barbara, eine Märtyrerin aus der frühen Zeit der Kirche, ist die Patronin der Bergleute. In vielen Bergwerksorten gibt es Kirchen, die nach dieser Heiligen benannt sind.

In der Zeit, als der Neubau der Kirche an der Bahnhofstraße entstand, war die Erinnerung an die unheilvolle Geschichte des Dritten Reichs noch ganz lebendig. Zur NS- Ideologie, die mit dem Zusammenbruch des Dritten Reichs endete, bildete im deutschsprachigen Raum die Christkönigsverehrung ein religiöses Gegengewicht. Hierin liegt der Grund, dass die neue Kirche nicht mehr Barbarakirche, sondern Christkönigskirche genannt wurde.

 

 

Aus der Festschrift zum 100jährigen Bestehen der Pfarrei Penzberg (1999)