Ausstellung „Penzberg katholisch 1899 – 2019“

Eine außergewöhnliche Entdeckung machte das Archiv-Team der Kath. Pfarrei Christkönig in Penzberg. Angehalten vom Bischöflichen Ordinariat in Augsburg ein Verzeichnis (Inventarium) zu erstellen, in dem sämtliche der Pfarrei gehörenden Gegenstände aufzuführen sind, wurden alte, schon fast vergessene Relikte der im 2. Weltkrieg von amerikanischen Fliegerbomben zerstörten ehemaligen Barbarakirche, wieder aufgefunden. Darunter befindet sich ein im Jahre 1936 aufgestellter Flügelaltar, der als Hauptaltar verwendet worden ist. Er hat die Bombardierung relativ gut überstanden, ebenso auch die in 70-jähriger Verborgenheit verbrachte Zeit.

Der Penzberger Flügelaltar

Ein Flügelaltar ist eine Sonderform eines Altares mit zwei oder mehr beweglichen Flügeln, die geschlossen bzw. geöffnet und somit gewendet werden können. Damit ist die Gestaltung des Altars entsprechend den Kirchenfesten im liturgischen Jahreskreis möglich. Der Penzberger Flügelaltar besteht aus zwei Holztafeln, die auf der Vorderseite und Rückseite bemalt sind und Szenen aus dem Leben Jesu Christi darstellen: Geburt, Verurteilung vor Pontius Pilatus, die Dornenkrönung und Auferstehung. Im Mittelpunkt des Altares stand eine holzgeschnitzte Figur, die Jesus Christus als Christkönig darstellt. Sie ist heute im linken Seitenaltar der Christkönigskirche aufgestellt.

Der Penzberger Flügelaltar ist sicherlich eine Auftragsarbeit, die allein für die Penzberger Kirche geschaffen worden ist. Er weist eine Signatur des Augsburger Kirchenmalers Rudolf Hotter, versehen mit der Jahreszahl 1936, auf. Der Künstler ist in der Diözese bekannt. Nach Auskunft des Diözesankonservators Dr. Michael Schmid ist er 1891 geboren. Er hat an der Münchner Kunstakademie studiert. Sein Vater Ludwig Hotter hatte einen Betrieb als Kunstschreiner bzw. Restaurator, der für Kirchenrestaurierungen in der Region arbeitete. Von Rudolf Hotter sind neben den Deckenfresken in Sulzbach, Landkreis Aichach-Friedberg, noch folgende Werke bekannt: Deckenbilder in der Dorfkirche von Wessiszell bei Friedberg, ehem. Wandfresken in St. Pankratius, Augsburg-Lechhausen, die aber im Krieg zerstört wurden und ein Außenfresko des hl. Mauritius an der Augsburger Moritzkirche, das noch erhalten ist.

Der Penzberger Flügelaltar besitzt wohl das Prädikat „Alleinstellungsmerkmal“, da in unserer Region kein weiterer Flügelaltar bekannt ist. Vom 15. bis 22. September 2019 findet im Barbara-Haus des Pfarrzentrums Christkönig eine Ausstellung statt, bei der der Penzberger Flügelaltar zu sehen sein wird.

Zur Entwicklung der kath. Pfarrei in Penzberg bis 1950

Die Kath. Pfarrei in Penzberg kann in diesem Jahr auf ihr 120-jähriges Bestehen zurückblicken. Mit Dekret S.K.H. Prinzregent Luitpold von Bayern vom 7. Februar 1899 und Stiftungsurkunde des Bischofs Petrus von Augsburg vom 5. August 1899 wurde in Penzberg eine eigene Pfarrei errichtet. Penzberg selbst war damals nur ein Ortsteil der Gemeinde Sankt Johannisrain, die aus einzelnen bäuerlichen Weilern und Einöden im Jahre 1808 zunächst als Steuerdistrikt gebildet worden ist, bevor im Jahre 1818 dann die endgültig Gemeindebildung erfolgte. Das Gemeindegebiet verteilte sich auf vier Pfarreien, nämlich Sindelsdorf, Iffeldorf, Benediktbeuern und Antdorf. Zur letzteren gehörte die Ortschaft Penzberg.

Die Bestrebungen, für die Ortschaft Penzberg eine eigene Kirche zu bauen und eine selbständige Seelsorgestelle zu errichten, gehen bis in das Jahr 1878 zurück. Es waren zu diesem Zeitpunkt schon Pläne für den Neubau einer Kirche vorhanden, die aber von der Gemeinde St. Johannisrain und vom Bezirksamt Weilheim zu nobel und luxuriös gehalten wurden. Insbesondere der damalige Bezirksamtmann, heute würde man ihn Landrat nennen, hegte in seiner Stellungnahme vom 28. August 1878 Zweifel über das Bedürfnis einer solch großartigen Kirche, wenn der Bergbau in Penzberg in 50, 60, oder 100 Jahren ausgebeutet sei. Seine Befürchtung war, dass dann die Ortschaft Penzberg einwohnermäßig keine Bedeutung mehr hätte und damit der Gebäudeunterhalt der Kirche auf Dauer nicht gesichert sei. Die Ortschaft Penzberg hatte damals 1.700 Einwohner. Allein der Kirchenbau mit Benefizhaus wurde auf 200.000 Mark geschätzt.

Letztendlich konnte aber nach jahrelangen Verhandlungen die Finanzierung des Kirchenbaus über eine Lotterie gesichert werden. Se. Majestät König Ludwig II hat „mittelst Allergnädigsten Erlasses vom 19. Februar 1885 eine Geldlotterie zum Kirchenbau und Gründung eines kath. Seelsorgerpostens in Penzberg allerhuldvollst“ bewilligt, wie der Augsburger Bischof Pancratius in einem Zirkular vom 04.11.1885 an seine Diözesanangehörigen mitgeteilt hat. Dieses Zirkular ist aber auch aus einem anderen Grund ein wichtiges Zeitdokument, weil darin die sozialen Verhältnisse der Ortschaft Penzberg beschrieben werden. Das Bergwerk Penzberg hat großzügig Geld und Grundstück für den Kirchenbau zur Verfügung gestellt.

Leider blieb aber diese Kirche nicht erhalten. Sie wurde am 16.11.1944 infolge eines Bombenangriffs auf Penzberg zerstört. Damit die Gottesdienste wenigstens in angemessenen Umfang stattfinden konnten, diente die Ruine über fünf Jahre hinweg als Notkirche, bis im Jahre 1950 die neue „Christkönigskirche“, die der Pfarrei von nun an auch den Namen gab, geweiht werden konnte.

Das Archiv-Team bereitet eine Ausstellung vor, in der erstmals nach fast 75 Jahren die noch vorhandenen Relikte der ehemaligen Barbarakirche gezeigt werden. Im Mittelpunkt steht neben verschieden Heiligen-Figuren der Flügelaltar aus dem Jahre 1936. Gründungsurkunden, umfangreiches Bildmaterial, Paramente und liturgische Geräte aus dieser Zeit werden ebenfalls ausgestellt sein.

Die Ausstellung findet vom 14.9. bis 22.9.2019 im Elisabeth-Raum des Pfarrzentrums Christkönig statt. Zum Besuch ergeht hierzu schon heute herzlich Einladung.

Öffnungszeiten:
Samstag: 10:00 – 12:00, 15:00 – 17:00
Sonntag: 10:00 – 12:00, 15:00 – 18:00
Montag bis Freitag: 15:00 – 17:00